
Portfolio
Hallo, nachdem ich nun seit einer Woche versuche, meine Gedanken zum Portfolio zu ordnen, werde ich euch mal meine ersten Eindrücke mitteilen.
Dabei werde ich mich nicht lange mit Zusammenfassungen aufhalten, da diese von den aktiveren Gruppenmitgliedern bereits hervorragend dargestellt wurden. Ich finde allerdings den Satz von Hannele Kara: „Die Lernenden sollen nicht als Objekt und passive Informationsempfänger betrachtet werden, sondern als Subjekte und Individuen, die das Wissen aktiv auffassen, analysieren und verarbeiten. Der Schlüssel zur Autonomie liegt darin, dass der Lerner im Mittelpunkt des eigenen Lernprozesses steht.“ Darin liegt, so denke ich, der gesamte hohe Anspruch, der an die Portfolio-Methode gestellt wird.
Insgesamt halte ich die Portfolio-Methode hierbei für ein sehr innovatives und anspruchsvolles Instrument. Mir ist aufgefallen, dass ich die Methode unbewusst schon während meiner Uni-Zeit experimentiert habe und zwar nicht nur während der Seminare, sondern hauptsächlich während meiner Recherchen zur Magisterarbeit. Eigentlich habe ich hier immer nach dem Prinzip gearbeitet: was will ich – was kann und habe ich schon – welchen Zweck haben die Texte etc. Dabei habe ich fast täglich Materialien gesammelt und abgelegt (sei es Texte, Fragen auf Schmierzetteln, die bei Unterhaltungen entstanden sind, als auch Kassetten mit Mitschnitten von Interviews, Fotos und alles, was in irgendeiner Art und Weise mit der Arbeit zu tun haben könnte).
Von daher halte ich das System für sehr sinnvoll und vor allem für sehr anregend. Vor allem im Hinblick auf die Möglichkeiten der Selbstreflexion und aktiven Weiterbildung.
Allerdings bleiben viele Zweifel.
Sicherlich habe ich selbst im Unterricht noch nie die Methode ausprobiert und werde in nächster Zeit auch sicher nicht die Möglichkeit dazu haben, da ich nicht unterrichte. Allerdings habe ich bei der Lektüre der einzelnen Texte und bei meiner Recherche im Internet zum Thema immer an meine ehemaligen Klassen gedacht. Und hier kamen mir dann die großen Zweifel.
Ich muss die Situation, in der ich mich befand, kurz darstellen: italienisches Liceo classico mit „internationalem Zweig“ – Unterricht der sog. „materia veicolare (hier: Geschichte) – jedoch nicht über drei Jahre hinweg, sondern lediglich in den letzten drei Monaten vor der mündlichen Abiprüfung….
Damit ist schon mal klar, dass die Voraussetzungen generell nicht unbedingt fantastisch waren. Denn es war generell wenig Zeit für Experimente. Allerdings hatte ich versucht, die Schüler über Referate (ich musste nach 3 Monaten Unterricht eine Abschlussnote geben..) an die Themen und den damit verbundenen fachspezifischen Wortschatz heranzuführen. Hätte ich es doch nie versucht…denn schon hier kamen alle Karenzen des italienischen Frontalunterrichtes, der zumindest an dieser Schule noch zu fast 100% durchgeführt wird, zum Vorschein. Die Schüler einer Abschlussklasse waren fast nicht in der Lage, eigenständig ein Referat zu erstellen und eine damit verbundene Präsentation in Power-Point. Das Material wurde im Endeffekt von mir gestellt, da eine Recherche im Internet kaum möglich war.
Das gleiche Problem ergab sich in einem Intensiv-Kurs (1. Schulklasse Liceo – Schüler sind ca. 16 Jahre) an der gleichen Schule. Dieser Kurs wurde nachmittags gehalten und sollte genau das tun, was man sich auch von einer positiven Portfolio-Arbeit erhofft – die Schüler sollen ihre eigenen Sprachkenntnisse besser einschätzen können und gleichzeitig erweitern. Auch hier wurde der Versuch, sie an eigenständiges Arbeiten heranzuführen, konsequent von den Schülern verweigert bzw. sie waren nicht in der Lage die Eingaben und Motivationsversuche zu akzeptieren. Sie waren den Frontalunterricht gewöhnt und konnten sich nicht wirklich mit anderen Lehrmethoden anfreunden.
Daher meine Zweifel an einer positiven Umsetzung der Portfolio-Methode im derzeitigen italienischen Schulsystem! Damit ist tatsächlich nicht die Methode an sich gemeint, die ich für ein qualitativ hochwertiges und absolut adäquates Lehrsystem halte. Allerdings fehlt hier auch noch die Motivation seitens der Lehrer, sich mit neuen Methoden und selbst mit den neuen Medien auseinanderzusetzen.
Angesichts der hohen Anforderungen an die Schüler nach dem Schulabschluss, sich in der Realität der Unis oder auch im Berufsleben zurechtfinden zu müssen, ohne dass ihnen immer jemand genau sagt, was sie denn nun als nächstes tun müssen, wäre das Portfolio meiner Ansicht nach, die richtige Art und Weise, sich dieser Realität zu nähern.
In Bezug auf die Verwendung im Sprachunterricht kann das Portfolio, meiner Meinung nach, hauptsächlich bei Wortschatz und Kommunikation nützlich sein. Denn durch die Möglichkeiten des Einsatzes verschiedener Medien kann der Schüler motiviert werden, seine Fähigkeiten auf diesem Gebiet lernorientiert einzusetzen. Wichtig ist sicherlich eine konkrete und klare Führung und Besprechung mit dem Lehrer und die kontinuierliche Diskussion miteinander.
Soweit also meine Gedanken zum Portfolio. Ich hoffe, sie sind nicht zu konfus.
Zum Abschluss ein Danke an alle anderen Gruppenmitglieder, die mir mit ihren Beiträgen geholfen haben, etwas Licht ins Dunkel zu bringen ![]()
Liebe Grüße Kristina